Großbritannien setzt auf Wärmepumpe und PV
Von London lernen: Wie Großbritannien uns bei der Wärme- und Energiewende links liegen lässt und die richtigen Lehren aus der aktuellen Weltlage wie dem Iran.Krieg zieht.
Während im deutschen Wirtschaftsministerium unter Katherina Reiche an einem „Gebäudemodernisierungsgesetz“ (GMG) gebastelt wird, das Öl- und Gasheizungen künstlich am Leben erhält, der Fossilbranche die Umsätze rettet und Bürger in die Kostenfalle treibt, schafft die britische Regierung energiepolitische zukunftsweisende Fakten. Ab 2028 gilt auf der Insel der „Future Homes Standard“. Danach müssen neue Gebäude 75–80% weniger CO₂ ausstoßen, als Bestandsgebäude.
Das Prinzip ist so simpel wie effektiv: Wer neu baut, muss künftig fast vollständig auf fossile Heizung verzichten und nutzt faktisch einen Standard aus Photovoltaik und Wärmepumpe. Punkt. Wärmepumpe – also fossilfreie Heizungen und Photovoltaik werden quasi Pflicht. Wir haben analysiert, warum der britische Weg ökonomische Vernunft beweist, während Deutschland gerade sehenden Auges in die fossile Sackgasse steuert.
1. Das britische Modell: Solarpflicht und Wärmepumpe als Standard
Großbritannien macht Schluss mit halbgaren Lösungen. Die neuen Vorschriften sehen vor:
- Keine klassischen Gasthermen mehr: Bereits seit 2024 gelten in Großbritannien Vorgaben, die den Einbau klassischer Gasthermen in Neubauten faktisch ausschließen; die endgültige Regelung tritt ab 2028 über den Future‑Homes‑Standard in Kraft.
- Solar- und Wärmepumpen-Pflicht: Häuser müssen so konzipiert sein, dass sie ihren Energiebedarf durch extrem niedrige Kohlenstoffemissionen decken – de facto bedeutet das den Standard „Photovoltaik und Wärmepumpe“.
- 80 % weniger Emissionen: Ziel ist es, dass neue Häuser 75 % bis 80 % weniger CO2 ausstoßen als Gebäude, die nach bisherigen Standards gebaut wurden.
2. Der deutsche „Sonderweg“: Die Biotreppe als Kostenfalle – Stufe für Stufe in den Ruin
Im krassen Gegensatz dazu steht das geplante deutsche GMG von Ministerin Reiche. Hier wird zum einen der Einbau von Gas- und Ölheizungen fortgeschrieben und zum anderen die sogenannte „Biotreppe“ eingeführt. Gas‑ und Ölheizungen dürfen demnach weiter eingebaut werden, wenn sie ab 2029 stufenweise mit Biogas, grünem Wasserstoff oder „anderen grünen“ Gasen/Ölen betrieben werden sollen. Das wird als „Biotreppe“ beziehungsweise neue Grüngasquote beschrieben. Problem: Es gibt weder bislang noch zukünftig keine gesicherte, massenweise Verfügbarkeit dieser Bio-Brennstoffe im nötigen Umfang.
Warum das der falsche Weg ist:
- Die Kostenlüge: Biogas ist vor allem durch geringe Skalierung und begrenzte Rohstoffe circa sechs mal teurer, als konventionelles Gas und Wasserstoff für den Wärmemarkt wird laut Fraunhofer ISE bis 2030 mindestens 20 bis 30 Cent pro kWh kosten. Vor allem aber wird es nach gängiger Expertise nie in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Strom für Wärmepumpen liegt bei hoher Effizienz (Jahresarbeitszahl JAZ bei 4) effektiv bei circa 7 bis 9 Cent pro thermischer kWh.
- Die fossile Falle: Wer heute unter Reiches Gesetz eine Gasheizung kauft, bindet sich für circa 20 Jahre an einen Energieträger, dessen CO2-Preis bis 2030 auf über 120 € pro Tonne steigen wird (Ariadne-Szenario). Das ganze ist eine Kostenspirale. Denn je weniger wir an die Erreichung der Klimaziele herankommen, um so drastischer steigt der CO2-Preis. Das ist gewisser Maßen so wie beim Zuschnellfahren. Je weiter Du das Tempolimit überschreitest, um so höher wir das Bußgeld.
3. Effizienz schlägt Ideologie
Die Briten haben verstanden: Ein Haus, das heute fossile Energie verbrennt, ist morgen eine Belastung für die Umwelt, das Gesundheitssystem und vor allem auch die Staatskasse.
- Arbeitsplätze: Durch die klare Ansage in UK entsteht Planungssicherheit. Die britische Industrie stellt sich massiv auf die Produktion von Wärmepumpen um. Bestehende Arbeitsplätze in der Dekarbonisierungsbranche bleiben erhalten und neue entstehen.
- In Deutschland: Hier herrscht durch Reiches Zick-Zack-Kurs (Stichwort: Aufweichung des GEG) totale Verunsicherung. Hausbesitzer und Kunden wissen nicht mehr, wie sie sich entscheiden sollen. Hersteller von Wärmepumpen müssen Kurzarbeit anmelden, während die Gas-Lobby ihre alten Pfründe sichert.
4. Sicherheit in Krisenzeiten
Die aktuelle weltpolitische Lage, von der Sperrung der Straße von Hormus mit einem Ölpreis bei bis zu 2,50 €/Liter bis zu Trumps Drohung, die EU nicht mehr mit LNG zu beliefern, zeigt drastisch: Abhängigkeit von Brennstoffen ist ein Sicherheitsrisiko. Doch genau in diese Abhängigkeit treibt uns die Politik von Katherina Reiche und der aktuellen Bundesregierung gerade.
- Großbritannien nutzt den „Future Homes Standard“, um die Abhängigkeit von Importen strukturell zu senken.
- Deutschland unter Reiche verlängert diese Abhängigkeit durch die Förderung von „H2-Ready“-Anlagen, für die der Brennstoff erst mühsam und teuer importiert werden muss. Denn selbst wenn wir die Naturschutzgebiete in der Nordsee beispielsweise vor Borkum platt machen und dort Gas fördern – wie von der Regierung geplant – ist das nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.
Fazit: Mut zur Klarheit statt Lobby-Klüngelei
Der Vergleich ist beschämend. Eine Labour-Regierung unter Keir Starmer in London erkennt, dass Klimaschutz ökonomischer Selbstschutz ist und handelt ebenso konsequent wie richtig. Mittel zum Zweck ist das effizienteste Heizsystem, dass es derzeit gibt, die Wärmepumpe. Und der Strom kommt dann vor allem vom eigenem Dach und kaum noch aus fossilen Kraftwerken.
In Berlin hingegen wird unter dem Deckmantel der „Technologieoffenheit“ eine absolut rückwärts gewandte Politik gemacht, die uns Bürger in die Kostenfalle treibt und den technologischen Anschluss verpasst. Und betrachtet man das Gefasel vom „Hightech-Verbrenner“, dann wird klar, dass wir nicht nur beim Thema Wärme auf dem Irrweg sind. Immerhin bringt die deutsche Autoindustrie immer mehr hervorragende Elektroautos auf den Markt, wenn man sich den VW ID7 Pro, den neuen BMW iX3, der i3 oder den ebenfalls neuen Mercedes GLC anschaut.
Katherina Reiche nennt die Energiewende „naiv“. Naiv ist jedoch nur, wer glaubt, man könne mit Gesetzen von gestern die Probleme von morgen lösen. Wir brauchen keinen „Fossile-Falle-Standard“, wir brauchen den Mut der Briten: Klarheit für die Industrie, Schutz für die Verbraucher und ein Ende des fossilen Zeitalters im Neubau.
Quellenverzeichnis:
- Focus Earth: In England werden Solaranlagen und Wärmepumpen zur Pflicht (Details zum Future Homes Standard).
- WinFuture: Britische Regierung macht Ernst mit Wärmepumpen-Pflicht (Hintergründe zur technischen Umsetzung und den Verboten für Gasthermen).
- Fraunhofer ISE: Studie zu den Gestehungskosten von Wärme (Beleg für die ökonomische Überlegenheit der Wärmepumpe gegenüber Wasserstoff).
- GOV.UK: The Future Homes and Buildings Standard: 2023 consultation (Offizielle Regierungsdokumente zum britischen Gesetz).
- Ariadne-Projekt: Szenarien für die CO2-Preisentwicklung und deren soziale Folgen (Basis für die Warnung vor der Kostenfalle).




