"Technikneutralität - wir verbinden Klimaschutz mit wirtschaftlichem Erfolg" ist heiße Luft. (Karikatur generiert mit KI)
Elektromobilität,  Energiewende,  Klimawandel,  Politik

Abkehr vom Verbrenner-Aus – eine fatale Fehlentscheidung

Das Narrativ von Technologieneutralität und wirtschaftlichem Erfolg durch die Aufweichung des Verbrenner-Aus ist in mehreren zentralen Punkten falsch und wird durch zahlreiche Fakten und Studien als das entlarvt was es ist: eine fatale und sträfliche Fehlentscheidung einer rückwärtsgewandten Regierung:

1. Klimaziele durch Verbrenner-Aus konkret gefährdet – nicht bewahrt

Die Aussage z.B. von EVP-Vorsitzendem Manfred Weber behauptet, man verbinde durch diese „Technologieoffenheit“ Klimaschutz mit wirtschaftlichem Erfolg. Das Gegenteil ist faktisch der Fall. Die Reduktion von 100 auf 90 Prozent CO₂-Einsparung bis oder eher ab 2035 verzögert die notwendige Dekarbonisierung erheblich. Die Ariadne-Analyse der Helmholtz-Gemeinschaft zeigt klar: Ein Verbrenner-Verbot ab 2035 allein – und nun ist es noch schwächer – bringt nur „überschaubare“ Emissionseinsparungen von 8,3 bis 15,2 Megatonnen CO₂ kumuliert bis 2045. Ein früheres Verbot ab 2030 hätte mehr als doppelt so hohe Einsparungen gebracht (36 bis 64 Mt CO₂).zeit+2

Der Straßenverkehr verursacht etwa ein Fünftel der europäischen CO₂-Emissionen. Wenn dieses Instrument jetzt auch noch geschleift oder auch nur abgeschwächt wird, wird Deutschland und die EU ihre verbindlichen Klimaziele des europäischen Green Deal gefährden – genau das Gegenteil von dem, was behauptet wird.greenpeace

2. E-Fuels sind kein realistisches Ausweichszenario sondern ein Feigenblatt

Die Begründung für das Verbrenner-Aus mit der „Technologieneutralität“ stützt sich implizit auf E-Fuels als Alternative. Das ist empirisch unhaltbar:

  • Die größte europäische E-Fuels-Produktionsanlage in Frankfurt-Höchst produziert derzeit 2.500 Tonnen pro Jahr. Der Frankfurter Flughafen allein benötigt 15.000 Tonnen Kerosin PRO TAG!!! – also 5,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Dimensionen sind absurd.adac
  • Selbst optimistische Szenarien rechnen mit einer weltweiten Produktion von maximal 5,9 Millionen Tonnen bzw. 70 TWh E-Fuels pro Jahr bis 2030. Der globale Bedarf wird auf 10.000 bis 41.000 TWh im Jahr 2050 geschätzt. E-Fuels sind bestenfalls für schwer dekarbonisierbare Sektoren (Luft- und Schifffahrt) sinnvoll, nicht als Massenersatz für Pkw-Verbrenner.foes
  • Die Herstellung ist extrem energieintensiv. Etwa zwei Drittel der eingesetzten Energie verpufft als Wärme, während ein Elektromotor über 90 Prozent der Energie in Bewegung umwandelt. Das ist technisch und ressourcenmäßig unverhältnismäßig.greenpeace
  • E-Fuels lösen auch nicht die Schadstoffproblematik: Nach einer Analyse von Transport & Environment könnten E-Fuels betriebene Autos in der EU bis 2050 bis zu 160.000 Tonnen zusätzlicher NOx-Emissionen ausstoßen – mehr als die gesamte italienische Autoflotte in einem Jahr.greenpeace

3. Arbeitsplatzargument ist historisch falsch

Die Aussage impliziert, dass die Elektromobilität eine Bedrohung für Arbeitsplätze ist und nur das Klebenbleiben am Verbrenner die Autoindustrie retten könne. Die Realität zeigt ein komplexes, aber insgesamt stabiles Beschäftigungsbild:

  • Nach der Agora-Verkehrswende-Studie führt die Transformation nur zu geringen Auswirkungen auf die Gesamtzahl der Arbeitsplätze – tendenziell sogar zu leichtem Jobwachstum (ca. +25.000 Jobs).agora-verkehrswende
  • Allerdings gibt es massive Verschiebungen: Die klassische Automobilindustrie verliert circa 180.000 Jobs, während Batterieproduktion (+95.000 Jobs) und Ladeinfrastruktur (+70.000 Jobs) diese Verluste mehr als kompensieren. Die von der Romantisierung des Verbrenners über den Modebegriff „hocheffiziente Verbrenner“ (die es nicht gibt) getriebene Fehlentscheidung in Sachen Verbrenner-Aus wird diese Entwicklung nicht aufhalten.agora-verkehrswende
  • Für die Batterieproduktion bis 2030 besteht ein jährlicher Fachkräftebedarf von bis zu 65.000 hochspezialisierten Mitarbeitern. Das schafft reale neue Beschäftigung – aber nur, wenn diese Industrien in Deutschland und Europa aufgebaut werden.plattform-zukunft-mobilitaet

Der Knackpunkt: Diese neuen Jobs entstehen nur bei ambitionierter Elektromobilität, nicht durch Verzögerung. Eine Aufweichung des Verbrenner-Aus verzögert den Strukturwandel, verteilt ihn über längere Zeit und reduziert den Anreiz zu Investitionen in neue Technologien. Das macht die Jobverluste sogar schlimmer, nicht besser.

4. Wettbewerbsfähigkeit wird durch Verzögerung zerstört

Die behauptete Verbindung von Klimaschutz mit „Technologieoffenheit“ zum wirtschaftlichen Erfolg ist aus globaler Perspektive fatal:

  • China dominiert die Elektromobilität: Über 50 Prozent der in China verkauften Neuwagen sind elektrifiziert. Chinesische Hersteller produzieren über 60 Prozent aller E-Autos weltweit. BYD hat Tesla als größten E-Auto-Produzenten überholt. Die Chinesen selbst kaufen kaum mehr europäische Verbrenner sonden heimische E-Autos und das Exportgeschäft der chinesischen Hersteller boomt.deutsche-wirtschafts-nachrichten+2
  • Kostenparitäten sind erreicht: In China ist die Preisparität zwischen E-Auto und Verbrenner bereits erreicht. Chinesische Hersteller haben Kostenvorteile von bis zu 30 Prozent gegenüber westlichen Herstellern. Und durch sinkende Batteriepreise werden E-Autos bald günstiger als Verbrenner.1000ps+1
  • Europäische Hersteller verlieren Marktanteile: Der Trend zeigt klar, dass europäische, amerikanische und japanische Hersteller Marktanteile an chinesische Wettbewerber verlieren. Wenn Europa jetzt bremst, während China beschleunigt, wird die technologische und ökonomische Abhängigkeit nur größer. Erg, die Aufweichung des Verbrenner-Aus ist eine fatale Fehlentscheidung.deutsche-wirtschafts-nachrichten

Eine schärfere, nicht schwächere, Regulierung ist aus Wettbewerbsperspektive der einzige Weg, europäische Hersteller zum Umstieg zu zwingen – bevor chinesische Konkurrenten den Markt endgültig dominieren.

5. Technologieneutralität ist ein Etikettenschwindel

Der Begriff „Technologieneutralität“ wird hier als Feigenblatt verwendet für das, was faktisch ist: Technologieverzögerung. Echte Technologieneutralität würde bedeuten: Die beste Technologie gewinnt. Und die beste Technologie für den Massenverkehr ist derzeit klar die Batterie-Elektromobilität – effizienter, kostengünstiger im Betrieb, schneller skalierbar, reifer. Statt dessen sattelt die Bundesregierung zusätzlich noch ein weiteres totgerittenes Pferd, indem BMW 273 Millionen Euro Fördermittel für den Wasserstoffantrieb bekommt. Fehlentscheidungen in Serie.

E-Fuels sind für ganz nischige, spezifische Anwendungen sinnvoll. Aber sie als Schlupfloch für Verbrennermotoren zu missbrauchen, ist keine Technologieneutralität – es ist eine staatlich sanktionierte Blockade des technologischen Fortschritts, zugunsten alter, fossiler Technologien.

Fazit zu Aufweichung des Verbrenner-Aus

Das Kippen des Verbrenner-Aus samt dem „Versprechen“ von Technologieneutralität und wirtschaftlichem Erfolg entpuppt sich als klimapolitischer Rückschritt, wirtschaftlicher Irrweg und Gefälligkeitsgeschenk an eine innovationsängstliche Industrie. Die eigentliche Nachricht lautet nicht: „Gute Nachricht für Auto-Industrie“. Sie lautet: Schlechte Nachricht für Klima, Arbeitsplätze und europäische Wettbewerbsfähigkeit. Was die aketuelle Bundesregierung nicht verstehen will ist, dass die Energiewende ein wahrer Jobmotor ist … oder sein kann, wenn man sie nicht ausbremst.

  1. https://www.zeit.de/mobilitaet/2025-12/eu-kommission-will-verbrenner-aus-kippen
  2. https://www.vda.de/de/themen/klima-umwelt-und-nachhaltigkeit/wasserstoff-und-e-fuels/klimazielbeitrag-e-fuels
  3. https://ariadneprojekt.de/publikation/analyse-klima-und-verteilungswirkung-eines-verbrenner-neuzulassungsverbots-von-pkw-in-deutschland-und-die-rolle-des-co2-preises/
  4. https://www.greenpeace.de/klimaschutz/mobilitaet/verbrenner-verbot-2035-fuer-gesundheit-und-klima
  5. https://www.adac.de/verkehr/tanken-kraftstoff-antrieb/alternative-antriebe/synthetische-kraftstoffe/
  6. https://foes.de/publikationen/2025/2025-02_Factsheet-eFuels.pdf
  7. https://www.greenpeace.de/klimaschutz/mobilitaet/synthetische-kraftstoffe-pkw-teuer-ineffizient
  8. https://www.agora-verkehrswende.de/fileadmin/Projekte/2021/BCG-Jobstudie/64_Jobeffekte.pdf
  9. https://www.plattform-zukunft-mobilitaet.de/wp-content/uploads/2021/10/NPM_AG4_Batteriezellproduktion.pdf
  10. https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/717452/europas-automobilindustrie-im-wandel-chinesische-autohersteller-uebernehmen-fuehrung-im-kampf-um-den-elektroauto-markt
  11. https://www.roadedu.com/e-auto-krise-in-china-der-markt-fuer-elektromobilitaet-in-china-deutschland-und-der-eu/
  12. https://www.mckinsey.de/news/presse/2024-06-24-evi-2024
  13. https://www.1000ps.de/businessnews-id-3013558-eu-lockert-verbrennerverbot-2035-fuer-autos
  14. https://www.handelsblatt.com/politik/international/exklusiv-weihnachtsgeschenk-fuer-industrie-eu-kippt-verbrenner-aus/100179847.html
  15. https://live.handelsblatt.com/spuerbarer-wandel-bei-der-beschaeftigung-in-der-automobilindustrie/
  16. https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/eu-vor-kehrtwende-beim-verbrenner-aus-evp-chef-weber-zufrieden,V59WBuG
  17. https://www.vcd.org/fileadmin/user_upload/Hintergrundpapier_E-Fuels.pdf
  18. https://www.springerprofessional.de/automobilwirtschaft/personalmanagement/transformation-laesst-auto-jobs-wegbrechen/50223420
  19. https://www.youtube.com/watch?v=y76FBmuZB_Y
  20. https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20180305STO99003/reduktion-von-co2-emissionen-ziele-und-massnahmen-der-eu
  21. https://www.lobbyregister.bundestag.de/media/6d/b1/369383/Stellungnahme-Gutachten-SG2410300003.pdf
  22. https://www.plattform-zukunft-mobilitaet.de/wp-content/uploads/2020/03/NPM-AG-1-Wege-zur-Erreichung-der-Klimaziele-2030-im-Verkehrssektor.pdf
  23. https://www.dnr.de/aktuelles-termine/aktuelles/verkehrssektor-gefaehrdet-green-deal-klimaziele
  24. https://www.gminsights.com/de/industry-analysis/e-fuel-market
  25. https://www.bpb.de/themen/klimawandel/dossier-klimawandel/559861/das-verbrenner-aus-ist-konsequent-und-notwendig/
  26. https://www.efuel-alliance.eu/fileadmin/Downloads/Positionspapiere/eFuel_Alliance_Position_Paper_REDIII_implementation_DE_finale_Version.pdf
  27. https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/produktion/batteriefabriken-135-milliarden-markt-fuer-deutsche-maschinenbauer/
  28. https://www.pv-magazine.de/2024/12/20/sechs-vorhersagen-fuer-die-batterieindustrie-2025/
  29. https://www.handelsblatt.com/politik/verbrenner-aus-eu-will-offenbar-2030er-klimaziele-fuer-autoindustrie-aufweichen/100183315.html
  30. https://maresmedia.se/kraftstoffe-der-zukunft-wer-hat-im-markt-um-wasserstoff-e-fuels-und-batterien-die-nase-vorn/