Hier ist das Gerüst jetzt vollständig, also auch an der Giebelseite. Damit kann die Photovoltaik-Montage sicher erfolgen. (Foto: Andreas Lerg)
Aktuelles,  Balkonkraftwerk

Preissturz der Photovoltaikmodule kommt bei Privatkunden nicht an

In den letzten Jahren hat die Photovoltaikbranche einen signifikanten Preissturz bei einer zentralen Komponente erlebt: Photovoltaikmodule werden immer billiger. Die Zeiten, als solche Module jenseits von 200 Euro und deutlich mehr kosteten, sind vorbei. Für das 320-Watt-Modul, mit dem ich mit meinem Balkonkraftwerk angefangen habe, habe ich 2020 knapp 300 Euro bezahlt. Heute bekommst Du ein 400 Watt-Modul für 100 oder weniger Euro.

Kostete ein Kilowatt Peak fertig installierter Solarleistung im Janhr 2010 noch rund 3500 Euro, sind es seit rund zwei Jahren einigermaßen stabil etwa 1300 Euro. Doch in genau diesen zwei Jahren sind die PV-Module massiv im Preis gefallen. Diese Entwicklung wirft die Frage auf, warum trotz sinkender Modulkosten viele Hausbesitzer und potenzielle Käufer keine entsprechend deutliche Preisvorteile feststellen können. Was könnte die Ursache sein? Geben die Installateure/Solateure den Preisvorteil nicht weiter? Und wie sieht es in Sachen Balkonkraftwerk aus?

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Hintergründe des Preissturzes bei den Photovoltaikmodulen

Der Preisrückgang in der Photovoltaikbranche ist hauptsächlich auf technologische Fortschritte, gesteigerte Modul-Effizienz, erhöhte Konkurrenz und attraktive Anreize zurückzuführen. Laut einer Studie des National Renewable Energy Laboratory (NREL) haben sich die Kosten für PV-Systeme in verschiedenen Sektoren, darunter Wohn-, Gewerbe- und Versorgungsanlagen, in den letzten zehn Jahren erheblich verringert. Insbesondere die Modulpreise sind um 85% gefallen, und die Gesamtkosten für ein PV-System im Versorgungsmaßstab liegen jetzt bei etwa 1 Dollar pro Watt​​.

Hinzu kommt, dass die europäische Solarindustrie sich aktuell mit einem signifikanten Preisverfall bei Solaranlagen konfrontiert sieht, der vorwiegend durch den Import günstiger, subventionierter Photovoltaikmodule aus China bedingt wird. Diese Entwicklung hat zu einer Überschwemmung des europäischen Marktes geführt und drückt die Preise um bis zu 30 Prozent. Preise für modernste PV-Module mit 400 und mehr WattPeak liegen derzeit teilweise deutlich unter 100 Euro, teilweise sogar unter 70 Euro bei der Abnahme größerer Mengen.

Europäische Hersteller von PV-Modulen, wie Meyer Burger, stehen durch diesen Preisdruck und die hohe Abhängigkeit von chinesischen Photovoltaik-Komponenten vor großen Herausforderungen. Während Hersteller in China nicht nur von politischen Subventionen sondern auch billigsten Produktikonskosten (Dumpinglöhne etc.) profitieren, können Hersteller in der EU durch faier Löhne und andere höhere Kosten nicht mithalten. Die EU versucht, durch Förderungen die lokale Produktion zu stärken und die Abhängigkeit zu reduzieren, steht dabei jedoch vor dem Konflikt, die Kosten der Energiewende nicht zusätzlich zu erhöhen.

Warum profitieren Hausbesitzer nicht?

Trotz der gesunkenen Modulkosten bleiben die Gesamtkosten für die Installation von Photovoltaiksystemen aufgrund verschiedener Faktoren gleich und sinken nicht entsprechend mit den sinkenden Preisen für PV-Module. Einer der Hauptgründe sind die so genannten „Soft Costs“, die einen erheblichen Teil der Gesamtinstallation ausmachen. Diese beinhalten Ausgaben für Planung, Arbeitskräfte und Installation, Netzanschluss, aber auch Vertrieb und Marketing, Gewinne und Verwaltungskosten. Zusätzlich zu den Soft Costs können auch lokale Vorschriften und Steuern, die Komplexität der Installation und die Qualität der verwendeten Komponenten den Endpreis beeinflussen. Es ist daher wichtig, dass potenzielle Käufer und Hausbesitzer eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse durchführen, um den tatsächlichen Wert und die Rentabilität einer Solarinstallation zu bestimmen.

Batteriesysteme und andere Komponenten sind nicht billiger geworden

Insbesondere für die Installlation von größeren und komplexen PV-Anlagen auf Wohn- und Geschäftsgebäuden sind diese Soft Costs ein signifikanter Kostenfaktor​​. Das beginnt zunächst bei der notwendigen Planung der Anlage, geht über „Bau-Nebenkosten“ wie das Stellen einen Baugerüstes, dann die Lohnkosten und weitere Nebenkosten.

Hier ist das Gerüst jetzt vollständig, also auch an der Giebelseite. Damit kann die Photovoltaik-Montage sicher erfolgen. (Foto: Andreas Lerg)
Hier ist das Gerüst jetzt vollständig, also auch an der Giebelseite. Damit kann die Photovoltaik-Montage sicher erfolgen. (Foto: Andreas Lerg)

Außerdem gilt der massive Preisverfall bei der „Hardware“ im Prinzip nur für die PV-Module. Andere Komponenten wie Wechselrichter, Batteriesysteme und weitere Komponenten sind preisstabiler. Sprich sie werden wenn nur langsam günstiger. Der teuerste Posten einer umfangreichen PV-Installation mit Speicher ist das Batteriesystem. Auch dort sinken die Preise zwar, das aber nur sehr langsam. Man kann sagen, dass billigste bei einer PV-Anlage sind die PV-Module, die auf das dach kommen. Teuer ist der ganze Rest. Immerhin kommen die Kosten für Batteriespeicher langsam in Bewegung und es gibt auch gute und halbwegs bezahlbare spezielle Speicher-Lösungen für Balkonraftwerke.

Käufer von Balkonkraftwerken profitieren am meisten

Apropos Balkonkraftwerke: Wer aktuell von den massiv gefallenen Preisen bei den Photovoltaikmodulen am meisten profitiert, sind eben die Käufer von Balkonkraftwerken! Warum? Ganz einfach, bei einem Balkonkraftwerk entfallen im Prinzip all die Soft Costs. Nichts muss umfangreiche geplant und dann aufwändig von Fachfirmen installiert werden. Der Käufer kauft sein Balkonkraftwerk als fertiges Paket, heutzutage bestehend aus in der Regel zwei Photovoltaikmodulen und einem Mikrowechselrichter und baut diesen selbst auf. Daher wirkt sich der Preissturz der Photovoltaikmodulen hier tatsächlich sehr positiv aus.

Mein erstes Balkonkraftwerk, bestehtend aus einem 320-WattPeak-Modul und einem Hoymiles Wechslerichter mit 300 Watt hat 2020 rund 550 Euro gekostet und zwar ohne das Monatgematerial für das Dach, dass noch dazu kommt. Das gleiche Paket kostet heute keine 300 Euro mehr. Daher lohnt sich die Anschaffung eines Balkonkraftwerkes aktuell mehr denn je. Vor allem, wenn bei uns mit dem Solarpaket I – wenn auch verspätet – die Bagatelgrenze auf 800 Watt Eispeiseleistung angehoben wird.

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Langfristige Betrachtung ist richtig

Trotz der hohen Anfangsinvestitionen kann der langfristige finanzielle Nutzen von Photovoltaiksystemen beträchtlich sein. Die Installation von PV-Anlagen wird oft als eine langfristige Investition mit starken Renditen betrachtet. Hausbesitzer können durch den Einsatz von Solarstrom die Kosten für Netzstrom, der durchschnittlich mindestens doppelt so teuer ist wie Solarstrom, vermeiden. Zudem steigen die Stromkosten durch höhere CO2-Abgaben in Deutschland weiter an. Außerdem tragen Solaranlagen zur Wertsteigerung des Hauses bei und können den Verkaufsprozess beschleunigen​​.

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Fazit

Der Preissturz bei Photovoltaikmodulen ist ein positiver Trend, der jedoch nicht direkt in niedrigeren Installationskosten für Endverbraucher resultiert. Die Gesamtkosten einer Solaranlage werden durch verschiedene Faktoren beeinflusst, die über den reinen Preis der Module hinausgehen. Langfristig können Hausbesitzer jedoch von erheblichen Einsparungen und weiteren Vorteilen profitieren. Wer allerdings ein Balkonkraftwerk kauft, der profitiert deutlich vom Preissturz. Es bleibt wichtig, dass potenzielle Photovoltaikanlagenbesitzer eine gründliche Analyse durchführen, um die tatsächlichen Kosten und den möglichen Ertrag einer Investition in Solarenergie zu verstehen. Zudem gibt es Spekulationen, dass die Preise für PV-Module nach einer Marktbereiniung und Konsolidierung wieder anziehen könnten. Sprich, wenn die derzeitige „PV-Modul-Schwemme“ abgeklungen ist, könnten die Preise wieder etwas anziehen.