Energiewende-David gegen Gas-Kathi-Goliath? (Karikatur generiert mit KI)
Energiewende,  Politik

Gaskraftwerkspläne von Katherina Reiche unter Beschuss

Das Energiewende-Unternehmen 1KOMMA5° legt bei der EU offiziell Beschwerde gegen die von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche geplanten Subventionen für neue Gaskraftwerke ein.

Die Bundesregierung plant, bis 2030 mindestens 20 GW neue Gaskraftwerke als Reservekapazitäten durch milliardenschwere Subventionen zu errichten und zu betreiben. 1KOMMA5° sieht darin einen klaren Verstoß gegen EU-Beihilferecht und hat deshalb offiziell Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingelegt.

Kritikpunkte von 1KOMMA5°:

  • Subventionen für fossile Gaskraftwerke verzerren den Wettbewerb und treiben die Kosten der Energiewende unnötig in die Höhe.
  • Die geplante Einführung eines Kapazitätsmarkts könnte dezentrale, virtuelle Kraftwerke benachteiligen und aus dem Markt drängen.
  • Versorgungssicherheit ließe sich auch durch technologieoffene Lösungen wie die Absicherungspflicht und den gezielten Einsatz dezentraler Flexibilitätskapazitäten sicherstellen – ganz ohne Zusatzkosten und Subventionen für Verbraucher und Steuerzahler.

Konkrete Forderungen:

  • Fairer Wettbewerb: Alle Formen von Stromerzeugung, ob zentral oder dezentral, müssen gleich behandelt werden.
  • Technologieoffenheit: Der Markt sollte die effizientesten und klimafreundlichsten Lösungen hervorbringen, nicht politisch bevorzugte Technologien.
  • Fokus auf dezentrale Systeme und virtuelle Kraftwerke – laut aktueller Roland Berger Studie könnten diese bis 2045 einen gesamtwirtschaftlichen Mehrwert von €255 Milliarden bringen, und das ohne Subventionen.

Stimme aus dem Unternehmen:

CEO Philipp Schröder betont, dass gebündelte dezentrale Systeme, wie virtuelle Kraftwerke von 1KOMMA5°, bereits heute Versorgungssicherheit deutlich günstiger und umweltfreundlicher sicherstellen können. Die Kraftwerksstrategie dürfe nicht „alte Strukturen zementieren“, sondern müsse Innovationen und saubere, bezahlbare Lösungen fördern.

Philipp Schröder, CEO und Co-Founder / Foto: 1KOMMA5°

Hintergrund:

1KOMMA5° ist ein europaweit tätiges Unternehmen, das durch die Kombination von Handwerk, Hightech und digitalem Energiemanagement innovative Lösungen für eine klimaneutrale Energieversorgung entwickelt, darunter Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur, und dabei das Ziel verfolgt, die Energiewende und den Umstieg auf 100 % erneuerbare Energien voranzutreiben. 1KOMMA5° gehört damit zu den größten Aggregatoren von Flexibilitätskapazitäten in Europa und steuert derzeit über 600 MW, bis 2030 sollen sogar 20 GW erreicht werden – das entspricht der geplanten Gaskraftwerkskapazität.

Schauen wir auf die Details in Bezug auf diese Gaskraftwerkspläne

Die deutsche Energiewende steht an einem Scheideweg: Während von der aktuell konservativen Regierung Milliarden für neue aber eben fossile Reserve-Gaskraftwerke bereitgestellt werden sollen, warnen zahlreiche Experten und Unternehmen vor den massiven Kosten und den daraus erwachsenden Wettbewerbsverzerrungen. Mittendrin: Das innovative Energiewende-Unternehmen 1KOMMA5°, das nun eine formelle Beschwerde gegen diese Kraftwerksstrategie in Brüssel eingelegt hat. Ihr Vorwurf kurz und knapp: Die geplanten Subventionen für konventionelle Anlagen verletzen EU-Recht und gefährden die Zukunft dezentraler, klimafreundlicher Energieversorgung in Deutschland.

Was steckt dahinter, wie funktionieren Alternativen wie virtuelle Kraftwerke – und wer gewinnt oder verliert am Ende? Ordnen wir die wichtigsten Argumente und Aspekte ein.

1. Was bedeutet EU-Beihilferecht und wie steuert es den Energiemarkt?

Das EU-Beihilferecht sorgt dafür, dass staatliche Subventionen in Mitgliedsstaaten keinen fairen Wettbewerb behindern. Unternehmen sollen nicht durch staatliche Gelder gegenüber anderen bevorzugt werden – besonders in sensiblen Branchen wie dem Energiemarkt. Die EU-Kommission prüft mit strengen Kriterien, ob nationale Förderprogramme die Marktbalance stören oder Technologien künstlich bevorzugen.

Die Vergleichstabelle konnte nicht ausgegeben werden.

2. Warum sind Gaskraftwerke als fossile Reserve in der Energiewende kritisch zu sehen?

Gaskraftwerke gelten als Brückentechnologie der Energiewende, weil sie flexibel Strom liefern können. Doch ihr Einsatz als Reservekapazität birgt Risiken:

  • Sie verursachen weiterhin erhebliche CO₂-Emissionen und verstärken die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.
  • Subventionierte Neubauten verhindern, dass klimafreundliche Alternativen Marktchancen erhalten.
  • Milliardenschwere Förderungen für fossile Technologien widersprechen vielen Zielen des Green Deal und könnten die Energiewende verteuern.

3. Vorteile und Funktionsweise dezentraler, virtueller Kraftwerke

Virtuelle Kraftwerke bündeln dezentrale Erzeugungs- und Speicheranlagen (z.B. Solar, Batterie, Elektroautos), steuern deren Einspeisung und Verbrauch softwarebasiert und bieten Netzflexibilität:

  • Sie können schnell auf Bedarfsschwankungen reagieren und Frequenzregelleistung bereitstellen.
  • Sie senken die volkswirtschaftlichen Kosten: Laut Roland Berger Studie steht ein Mehrwert von 255 Milliarden Euro bis 2045 im Raum – ganz ohne Subventionen.
  • Sie fördern Innovation und nutzen lokale Ressourcen – ob auf Hausdächern oder in Nachbarschaften.
  • Sie entlasten zentrale Netze und fördern eine resiliente Stromversorgung.

4. Was ist die Absicherungspflicht und warum gilt sie als marktwirtschaftliche Alternative?

Die Absicherungspflicht verlangt, dass alle Stromanbieter nachweisen, ihre Lieferverpflichtungen mit realen Kapazitäten abdecken können. Statt Subventionen für feste Reservekraftwerke setzt sie auf marktwirtschaftliche Anreize:

  • Anbieter sichern Kapazitäten durch eigene Anlagen oder Verträge mit dezentralen Flexibilitätsanbietern.
  • Technologien konkurrieren direkt – die effizientesten, günstigsten und saubersten Lösungen setzen sich durch.
  • Neue Flexibilitätsformen wie Batteriespeicher, Mieterstromprojekte oder steuerbare Elektroautos können so ihre Potenziale nutzen.

5. Kritik am Kapazitätsmarkt: Innovationsbremse statt echte Flexibilität?

Der geplante Kapazitätsmarkt steht besonders in der Kritik, weil er zentrale Gaskraftwerke strukturell bevorzugt und innovative, dezentrale Lösungen ins Hintertreffen geraten lässt. Statt auf marktwirtschaftliche Anreize und Technologieoffenheit zu setzen, schafft der Kapazitätsmarkt feste Vergütungen für vorgehaltene Reservekapazitäten – meist konventionelle Kraftwerke. Man könnte das gewissermaßen als marktverzerrende „Umsatzgarantie“ für die fossilen Gaskraftwerke bezeichnen.

Unternehmen wie 1KOMMA5° argumentieren, dass dies nicht nur zu massiven Zusatzkosten für Verbraucher und Steuerzahler führt, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit von Flexibilitätsanbietern – etwa virtuelle Kraftwerke, Batteriespeicher oder steuerbare Elektroautos – massiv einschränkt. Effizienz, Innovation und Kosteneinsparungen werden so blockiert, während alte Strukturen und fossile Technologien künstlich am Leben gehalten werden.

Gerade im Hinblick auf die EU-Klimaziele und den Green Deal ist dieser Kurs höchst umstritten und gefährdet die Transformation des Strommarktes in Richtung Klimaneutralität.

Laut aktueller BNE-Analyse könnte der Kapazitätsmarkt für Haushalte und Industrie zwischen 340 und 435 Milliarden Euro Zusatzkosten bis 2050 bedeuten. Grundlage ist eine Umlage von etwa zwei Cent pro Kilowattstunde, auf den Gesamtstromverbrauch hochgerechnet.

6. Wer profitiert und wer verliert durch die Kraftwerksstrategie?

Profiteure:

  • Betreiber großer, zentraler Gaskraftwerke und deren Zulieferer.
  • Politische Akteure, die kurzfristige Versorgungssicherheit als Argument für fossile Investitionen nutzen können.

Verlierer:

  • Anbieter dezentraler Flexibilitätslösungen und Erneuerbare-Energien-Player, die auf marktwirtschaftliche Chancen angewiesen sind.
  • Verbraucher und Steuerzahler: Sie tragen die Subventionslast und zahlen dadurch deutlich höhere Strompreise.
  • Stromintensive Industrie: Auch für die Industrie wird der Strom nicht günstiger, es sei denn sie werden subventioniert.

7. Was könnte die EU-Kommission tun und wie entwickelt sich die Debatte?

Die EU-Kommission wird prüfen, ob die geplanten Subventionen gegen das Beihilferecht verstoßen und könnte Nachbesserungen oder sogar eine Rücknahme verlangen. Es ist wahrscheinlich, dass die Debatte intensiver wird:

  • Unternehmen und Verbände fordern klare, technologieoffene Rahmenbedingungen.
  • Die Rolle von Flexibilitätskapazitäten und virtuellen Kraftwerken gerät stärker ins politische Rampenlicht.
  • Die Frage nach gerechter Kostenverteilung und echter Klimaneutralität wird weiter kontrovers diskutiert.

Fazit

Die aktuelle Kraftwerksstrategie der Bundesregierung – und insbesondere die geplanten Subventionen für neue Gaskraftwerke – drohen, dringend benötigte Innovationen in der Energiewende auszubremsen. Die Kritik von 1KOMMA5° zeigt: Es braucht echte Marktöffnung, Technologieoffenheit und faire Wettbewerbsbedingungen, damit dezentrale Lösungen wie virtuelle Kraftwerke, Batteriespeicher und intelligente Netzsteuerung ihre Potenziale entfalten können. Ein Kapazitätsmarkt, der zentrale fossile Anlagen strukturell bevorzugt, passt nicht zu den Zielen des Green Deal und verursacht enorme Zusatzkosten für Gesellschaft und Klima. Kurz: Das ganze geschieht auf dem Buckel der Endverbraucher, die sich dann dumm und dämlich zahlen müssen.

Auch Bürger mit privaten PV-Anlagen werden dabei massiv benachteiligt. Die Entscheidung der EU-Kommission wird wegweisend sein – für die Kostendynamik der Energiewende, die Wettbewerbsstruktur am Strommarkt und nicht zuletzt für den Erfolg der klimafreundlichen Transformation in Deutschland und Europa. Jetzt ist die Zeit, Innovationen und Flexibilität zu stärken, statt weiter über alte, ausgetretene Pfade zu trampeln.

Quellen

1. BNE-Analyse zu Kapazitätsmarkt und Milliardenzusatzkosten:
BNE Analyse zum Kapazitätsmarkt: 435 Milliarden Euro Belastung für Verbraucher und Industrie (pv magazine, 1.10.2025)

2. Entwicklung und Bedeutung virtueller Kraftwerke – Next Kraftwerke:
Next Kraftwerke überschreitet 10.000 MW vernetzter Leistung (Pressemitteilung, 15.05.2022)

3. Markt- und Wachstumsdaten virtuelle Kraftwerke international:
Marktgröße für virtuelle Kraftwerke, Aktie (Fortune Business Insights, 31.10.2024)

4. 1KOMMA5° Pressemitteilung zur EU-Beschwerde:
1KOMMA5° legt Beschwerde in Brüssel ein: Kraftwerksstrategie verstößt gegen EU-Beihilferecht (1KOMMA5°, 21.10.2025)

5. Überblicksstudie und Hintergrund:
Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2024 (Agora Energiewende)

6. Hintergrund Subventionshöhe und Kritik:
Deutschland bremst die Energiewende mit Subventionen für Gas (energiezukunft, 3.8.2025)

7. Methodik und Alternativen, Kritik von Branchenverbänden:
Kombinierter Kapazitätsmarkt für Deutschlands Strommarkt – Warum das keine gute Idee ist (Frontier Economics, 13.11.2024)

8. Originalstudie Kapazitätsmechanismus – Methodik, Berechnungsmodelle:
Ausarbeitung eines Kapazitätsmechanismus für den deutschen Strommarkt (4ÜNB-Studie)

9. EU-Kommission: Informationen und FAQs zum Beihilferecht allgemein:
Überblick EU-Beihilfenkontrolle (offizielle EU-Kommission Infoseite)

10. Hintergrund zur Rolle und Wirtschaftlichkeit von Batterien und Flexibilität:
Einbindung dezentraler Flexibilität in einen integrierten Kapazitätsmarkt (BDEW Publikation, 2025)

11. Kritische Stimmen aus Wissenschaft und Verbänden zu fossilen Subventionen:
Rückschritt mit Ansage – Warum Subventionen für Gaskraftwerke der falsche Weg sind (pv magazine, Aug. 2025)

12. Überblick zum Markt und zur Steuerung virtueller Kraftwerke international:
Smart Distribution 2020 – Virtuelle Kraftwerke in Verteilungsnetzen (VDE Studie)

13. Grundsatzkritik und Alternativen aus Sicht von Green Planet Energy:
Förderung für Gaskraftwerke: Kosten und Emissionsauswirkungen (Green Planet Energy, Okt. 2024)

14. Vertiefte Marktprognosen für virtuelle Kraftwerke:
Größe und Anteil des Marktes für virtuelle Kraftwerke nach Typ, Anwendung, Endnutzer und Region (Research Nester, 28.04.2025)

15. Perspektiven zur aktuellen Kapazitätsmarktdiskussion in Deutschland (Fraunhofer ISI-Analyse):
Perspektiven zur aktuellen Kapazitätsmarktdiskussion in Deutschland (Fraunhofer ISI, 2012, PDF)