Verbrennerverbot: eine politische Nebelkerze
Warum Deutschland und die EU bei der Elektromobilität bleiben müssen und das Auslaufen der Verbrenner-Technik bis 2035 absolut richtig ist.
Das beschlossene EU-Verbrenner-Aus ab 2035 markiert einen bedeutenden Wendepunkt für den Klimaschutz und die sichere Zukunft der Mobilität: Ab 2035 dürfen keine neuen Fahrzeuge mit fossilem Verbrennungsmotor mehr neu zugelassen werden. Konkret eigentlich: Es dürfen keine Fahrzeuge mehr zugelassen werden, die durch ihren Betrieb Emissionen verursachen. Doch trotz dieses klaren Ziels formiert sich Widerstand – hauptsächlich von Politikern wie Friedrich Merz und Markus Söder, die mit dem Kampfbegriff „Verbrennerverbot“ diesen Schritt als falsch und wirtschaftsschädlich kritisieren. Doch genau dieser Weg bietet die Chance, mit Elektromobilität klimafreundlich, bezahlbar und zukunftssicher mobil zu werden. Warum ein Zurück zum Verbrenner keine Option ist, betrachten wir in diesem Beitrag.
Der Kampfbegriff „Verbrennerverbot“ führt bewusst in die Irre
Die Rhetorik von Friedrich Merz und vor allem von CSU-Mann und bayerischem Ministerpräsidenten Markus Söder aber auch anderen konservativen Kräften rund um das angebliche „Verbrennerverbot“, ist nicht nur irreführend, sondern schlichtweg falsch. Es gibt kein Verbrennerverbot[1][2]. Was ab 2035 in der EU gilt, ist lediglich ein Neuzulassungsstopp für Fahrzeuge mit fossilem Verbrennungsmotor [3]. Bereits zugelassene Verbrenner dürfen weitergefahren, verkauft und repariert werden [3][4]. Von Verbrennerverbot zu sprechen, ist also reine rhetorische Taktik. Von Verbrennerverbot zu reden ist eine Lüge!
Die EU schreibt ab 2035 vor, dass Neufahrzeuge 100 Prozent CO₂-Reduktion erreichen müssen – das entspricht null Emissionen. Diese Vorgabe erfüllen schon heute Elektroautos und Wasserstofffahrzeuge, aber auch Verbrenner, die ausschließlich mit klimaneutral produzierten E-Fuels betrieben werden [1]. Aber selbst mit E-Fuels sind die Tage des Verbrenners gezählt. Warum?
E-Fuels sind weder verfügbar noch bezahlbar
Die von Söder und Merz propagierte Alternative der synthetischen Kraftstoffe entpuppt sich bei genauer Betrachtung als Scheinlösung. Die Realität der E-Fuels-Verfügbarkeit ist ernüchternd:
Verfügbarkeit: Von den weltweit rund 60 angekündigten E-Fuels-Projekten haben bis 2035 derzeit nur ein Prozent eine finale Investitionsentscheidung[6]. Auch wenn die globale E-Fuel-Herstellung so schnell wachsen würde wie die Solarstromproduktion, könnte sie nur 50 Prozent des deutschen Bedarfs von Luft- und Schifffahrt sowie Chemieindustrie decken[6].
Kosten: E-Fuels sind extrem teuer. In Pilotanlagen erzeugt kosten sie derzeit 50 Euro pro Liter [6]. Selbst bei industrieller Massenproduktion werden die Herstellungskosten zunächst bei etwa 2 Euro pro Liter liegen – das Zweieinhalbfache des fossilen Benzinpreises [6]. Laut ADAC müsste ein Liter E-Fuel im Verkauf etwa 4,50 Euro kosten[7].
Die Greenpeace-Studie „Teurer U-Turn“ zeigt die dramatischen Folgen auf: Würde das Verbrenner-Aus zurückgenommen, entstünden für Autofahrer bis zu 285 Euro Mehrkosten pro Jahr[8]. EU-weit lägen die zusätzlichen Spritkosten bis 2050 bei bis zu 835 Milliarden Euro [9]. Denn wenn der Verbrenner weiter produziert würde, müssten zur Erreichung der Nullemissionen die konventionellen Kraftstoffe verschwinden und eben durch die teuren E-Fuels ersetzt werden.
Elektromobilität ist bereits heute günstiger
Während E-Fuels noch eine ganze Weile in weiter Ferne und politischer Wunschtraum bleiben, sind Elektroautos schon heute die wirtschaftlichere Lösung:
Betriebskosten 2024: E-Autos waren 47 Prozent günstiger als Benziner und 38 Prozent günstiger als Diesel vor allem beim Laden zu Hause an einer heimischen Wallbox [10]. Bei einer Jahresfahrleistung von 12.000 Kilometern lagen die Stromkosten bei 856 Euro, während Benziner 1.607 Euro kosteten [10].
Preisentwicklung: Mehrere Hersteller haben 2024 ihre E-Auto-Preise um bis zu 8.000 Euro gesenkt[11]. Die kontinuierliche Technologieentwicklung und steigende Absätze führen zu sinkenden Produktionskosten[12].
Elektroautos sind Verbrennern haushoch überlegen
Elektroautos sind in ihrer Energieeffizienz Verbrennungsmotoren deutlich überlegen. Während herkömmliche Benzinmotoren nur etwa 16 bis 25 Prozent des im Kraftstoff enthaltenen Energiegehalts tatsächlich in Antriebsenergie umwandeln und der Großteil der Energie als Wärme verloren geht, erreichen Elektromotoren eine Gesamteffizienz von rund 87 bis 91 Prozent. Das bedeutet, dass Elektroautos die elektrische Energie aus der Batterie nahezu verlustfrei in Bewegung umsetzen können. Selbst wenn man die gesamte Energiekette von der Stromerzeugung bis zum Rad (Well-to-Wheel) betrachtet, verbrauchen Elektrofahrzeuge etwa 30 Prozent weniger Primärenergie als Verbrenner. Mit dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien wird dieser Effizienzvorteil noch deutlicher. Dies macht die Elektromobilität nicht nur ökologisch attraktiver, sondern auch wirtschaftlich effizienter im Vergleich zum fossilen Verbrennungsmotor.
Elektroautos punkten auch beim Wartungsaufwand deutlich im Vergleich zu Verbrennungsmotoren. Ein Verbrennungsmotor besteht aus hunderten beweglichen Teilen, die regelmäßig gewartet, geschmiert oder ausgetauscht werden müssen – dazu zählen Ölwechsel, Zündkerzen, Abgasanlage und Kühlungssystem. Dadurch entstehen höhere Kosten und ein größerer Aufwand für Inspektionen und Reparaturen. Elektroautos hingegen haben einen deutlich einfacheren Antriebsstrang mit nur wenigen beweglichen Teilen, was den Wartungsaufwand erheblich reduziert. So entfallen regelmäßige Ölwechsel und viele Verschleißteile komplett, was zu geringeren Wartungskosten und einer höheren Zuverlässigkeit führt. Studien zeigen, dass die Wartungskosten von E-Autos im Durchschnitt etwa 30 bis 50 Prozent unter denen von Verbrennerfahrzeugen liegen, was für Verbraucher einen weiteren relevanten Vorteil darstellt.
Elektroautos in Deutschland: Zum 1. Januar 2025 waren ca. 1,65 Mio. vollelektrische Fahrzeuge zugelassen, eine Verfünffachung innerhalb von 4 Jahren
Arbeitsplätze: Transformation statt Stillstand
Das ach so beliebte Argument der Arbeitsplätze wird von Söder und anderen konservativen Politikern all zu gerne missbraucht. Die VDA-Studie zeigt zwar, dass bis 2035 rund 140.000 Arbeitsplätze in traditionellen Bereichen der Automobilbranche wegfallen könnten[13]. Gleichzeitig entstehen aber über 220.000 neue Arbeitsplätze – 100.000 in der Batteriefertigung bis 2030 und 120.000 im Bereich Ladeinfrastruktur bis 2035[14].
Der Strukturwandel ist bereits in vollem Gange: Die Beschäftigung in IT-Berufen der Automobilindustrie ist seit 2019 um 25 Prozent gestiegen, seit 2013 sogar um 85 Prozent[13].
China ist auf der Überholspur – wir müssen Gas geben, statt zu bremsen
Söders und Merz‘ Rückwärtsgewandtheit ignoriert außerdem auf fahrlässige Art und Weise die globale Realität. China dominiert bereits den weltweiten E-Auto-Markt mit über 5 Millionen verkauften E-Autos 2023 gegenüber 2 Millionen in Europa[15]. Chinesische Hersteller haben ihre E-Auto-Verkäufe 2024 um 45 Prozent gesteigert[16] und verfügen über Kostenvorteile von bis zu 30 Prozent gegenüber westlichen Herstellern[17]. Selbst im eigenen Heimatmarkt in China boomt die Elektromobilität und auch der Ausbau der erneuerbaren Energien durch Photovoltaik und Wind.
Der Anteil chinesischer E-Autos in Europa stieg bereits auf 22 Prozent aller E-Auto-Neuzulassungen[18]. Ein Aufweichen der EU-Flottengrenzwerte durch eine Absage der Verbrenner-Aus-Entscheidung würde diese Abhängigkeit nur verstärken, statt die europäische Industrie zu stärken. Selbst die Bosse der Autoindustrie setzen auf E-Mobilität und widersprechen Söder & Co.
Klimaschutz erfordert klare Ziele
Die EU hat sich verpflichtet, die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen bis spätestens 2050 um 90 Prozent zu senken[19]. Der Verkehrssektor verursacht bereits heute rund 25 Prozent der EU-Treibhausgasemissionen[19] und könnte 2030 sogar 44 Prozent aller Emissionen ausmachen, wenn nicht gehandelt wird[20] und sich die ewig Gestrigen aus den politischen Reihen durchsetzen.
Ohne das Verbrenner-Aus sind die Klimaziele nicht erreichbar[3]. Der Verkehr dekarbonisiert dreimal langsamer als der Rest der Wirtschaft[20] und gefährdet damit die gesamten EU-Klimaziele.
Fazit: Vorwärts statt rückwärts
Die Forderungen von Merz, Söder und anderen konservativen Politikern nach einer Aufweichung oder gar Aufhebung des „Verbrennerverbots“ sind populistisch, realitätsfern und schädlich für Deutschlands Zukunft. Sie basieren auf:
- Irreführender Begrifflichkeit („Verbrennerverbot“ statt korrekter „Neuzulassungsstopp“)
- Unrealistischen E-Fuels-Versprechen trotz mangelnder Verfügbarkeit und hoher Kosten
- Ignoranz gegenüber wirtschaftlichen Vorteilen der Elektromobilität
- Kurzsichtigkeit bei der globalen Wettbewerbsfähigkeit
Deutschland braucht Planungssicherheit für Industrie und Verbraucher, nicht populistische Scheindebatte[21]. Das EU-Verbrenner-Aus 2035 ist ein Meilenstein für Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit[4] – und muss unbedingt beibehalten werden.
Quellen
Hier ist die Linkliste mit den für den Blogbeitrag verwendeten Quellen:
- Utopia – Bericht zum Verbrenner-Aus und Kosten für Autofahrerinnen
https://utopia.de/news/verbrenner-aus-abschaffen-bericht-warnt-vor-hohen-kosten-fuer-autofahrerinnen_856162/ - E-Fuels Forum – Nach der Bundestagswahl: Verbrennerverbot ade?
https://www.efuels-forum.de/2025/02/24/nach-der-bundestagswahl-verbrennerverbot-ade/ - Kettner Edelmetalle – Markus Söder gegen Verbrenner-Aus
https://www.kettner-edelmetalle.de/news/markus-soder-gegen-verbrenner-aus-ein-pladoyer-fur-die-deutsche-automobilindustrie-22-04-2024 - Tagesschau – EU beschließt weitgehendes Verbrenner-Aus
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/eu-beschliesst-verbrenner-kompromiss-101.html - Greenpeace – Verbrenner-Aus 2035: für Gesundheit und Klima
https://www.greenpeace.de/klimaschutz/mobilitaet/verbrenner-verbot-2035-fuer-gesundheit-und-klima - ADAC – Out for Verbrenner ab 2035
https://www.adac.de/news/aus-fuer-verbrenner-ab-2035/ - Umweltbundesamt – FAQ „Verbrenner-Aus 2035 und Elektromobilität“
https://www.oeko.de/news/aktuelles/faq-verbrenner-aus-2035-und-elektromobilitaet/ - Bundesumweltministerium – Häufig gestellte Fragen zu CO2-Flottenzielen
https://www.bundesumweltministerium.de/themen/verkehr/haeufig-gestellte-fragen-zu-co2-flottenzielen - Europäische Umweltagentur (EEA) – Greenhouse gas emissions from transport in Europe
https://www.eea.europa.eu/en/analysis/indicators/greenhouse-gas-emissions-from-transport - Umweltbundesamt – Emissionen des Verkehrs
https://www.umweltbundesamt.de/daten/verkehr/emissionen-des-verkehrs - Statista – Anzahl Elektroautos in Deutschland 2025
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/265995/umfrage/anzahl-der-elektroautos-in-deutschland/ - VDA – Beschäftigungsperspektiven in der Automobilindustrie
https://www.vda.de/dam/jcr:ab6e46dd-1088-4d06-b36b-058b44d6198e/241029_Studie%20Beschaeftigungsperspektiven%20in%20der%20Automobilindustrie.pdf?mode=view - ADAC – Kostenvergleich Elektroauto vs. Verbrenner
https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/autokosten/elektroauto-kostenvergleich/ - Elektroauto-News.net – Zulassungszahlen August 2025
https://www.elektroauto-news.net/news/zulassungszahlen-autotrends-im-august - Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) – Pressemitteilung Fahrzeugzulassungen August 2025
https://www.kba.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Fahrzeugzulassungen/2025/pm36_2025_n_08_25_pm_komplett.html



