Alles über Bauvorschriften für PV-Module – Entwarnung für Balkonkraftwerke
Liebe Leserinnen und Leser. in diesem Artikel tauchen wir in die „Welt der Bauvorschriften“ rund um Photovoltaik-Module (PV-Module) und PV-Anlagen ein und erläutern, welche bauaufsichtlichen Anforderungen für sie gelten. Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) hat kürzlich wichtige Informationen zu PV-Modulen überarbeitet und ergänzt, darunter auch Hinweise zu aufgeständerten PV-Anlagen, auch Balkonkraftwerke“ genannt. Werfen wir einen genaueren Blick darauf!
Bauvorschriften für PV-Module im Überblick
Die Bauordnungen für bauliche Anlagen schreiben vor, dass diese standsicher sein und den Anforderungen des Brandschutzes genügen müssen. Diese Anforderungen werden durch Technische Baubestimmungen konkretisiert, die in der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) veröffentlicht sind. Die Länder setzen diese Mustervorschriften in eigene Landesvorschriften um.
Lässt sich aus diesen Vorschriften nicht eindeutig ableiten, ob ein Bauprodukt sicher verwendet werden kann, ist ein bauaufsichtlicher Verwendbarkeitsnachweis erforderlich. Dies kann durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ), eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE) oder ggf. durch ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP) erfolgen.
Was sind die Vorschriften für PV-Module?
Auch für PV-Module gelten bauaufsichtliche Anforderungen, wie sie in den MVV TB, Teil B, Kapitel 3 unter den Nummern B 3.2.1.25 bis B 3.2.1.27 aufgeführt sind.
Danach dürfen folgende PV-Module ohne Verwendbarkeitsnachweis hinsichtlich der wesentlichen Eigenschaft „mechanische Festigkeit und Standsicherheit“ verwendet werden:
- PV-Module mit mechanisch gehaltenen Glasdeckflächen und einer maximalen Einzelmodulfläche bis 2,0 m² bei Verwendung im Dachbereich mit einem Neigungswinkel ≤ 75°,
- PV-Module ohne Glasdeckflächen bei Verwendung im Dachbereich,
- PV-Module mit mechanisch gehaltenen Glasdeckflächen und einer maximalen Einzelmodulfläche bis 2,0 m² bei Verwendung in gebäudeunabhängigen Solaranlagen im öffentlich unzugänglichen Bereich.
Für größere PV-Module gelten spezielle Regeln
Für PV-Module, die nicht in die oben genannten Kategorien fallen, z. B. solche mit einer Dachfläche von mehr als 2 m², gelten andere Vorschriften. Grundsätzlich müssen alle PV-Module eine ausreichende mechanische Festigkeit und Standsicherheit aufweisen. In einigen Fällen, z. B. bei PV-Modulen aus Glas, kann dies nach den technischen Regeln für „Glaskonstruktionen“ in MVV TB Teil A, Kapitel A 1, lfd. Nr. A 1.2.7 nachgewiesen werden. Andernfalls ist ein Verwendbarkeitsnachweis erforderlich.
Hinsichtlich der wesentlichen Eigenschaft „Brandverhalten“ ist für alle PV-Module ein Verwendbarkeitsnachweis erforderlich, wenn besondere Anforderungen an das Brandverhalten gestellt werden, wie z. B. „schwer entflammbar“ oder „nicht brennbar“.
Zusammenfassung und zukünftige Entwicklungen
Die bauaufsichtlichen Bestimmungen sehen für bestimmte PV-Module Erleichterungen vor. Wenn diese nicht greifen, ist ein bauaufsichtlicher Verwendbarkeitsnachweis erforderlich, es handelt sich aber nicht um ein generelles Verwendungsverbot.
Das DIBt hat sogar eine Empfehlung für die Gremien der Bauministerkonferenz der Länder vorgelegt, in der vorgeschlagen wird, die maximale Einzelmodulfläche für PV-Module mit mechanisch gehaltenen Glasüberdeckungen im Dachbereich von 2,0 m² auf 3,0 m² zu erhöhen.
Es ist jedoch stets darauf zu achten, dass die allgemeinen Anforderungen an Sicherheit und Ordnung eingehalten werden. Dazu gehören die Einhaltung der Herstellerangaben und die ausreichende Tragfähigkeit der Bauteile, an denen die PV-Module befestigt werden sollen.
Die Besonderheit der Balkonkraftwerke
Steckbare PV-Anlagen, auch „Balkonkraftwerke“ genannt, bestehen aus PV-Modulen, Wechselrichtern und Steckerkabeln, die in eine Steckdose gesteckt werden, um Strom zu erzeugen. Im Gegensatz zu herkömmlichen PV-Anlagen, die fest mit dem Gebäude verbunden sind, können Balkonkraftwerke einfach vom Balkon entfernt werden, wenn sie nicht mehr benötigt werden.
Da die PV-Module nicht fest mit dem Bauwerk verbunden sind, gelten sie nicht als Bauprodukte im Sinne des § 2 Abs. 10 Nr. 1 der Musterbauordnung (MBO). Verwendbarkeitsnachweise sind daher nicht erforderlich. Wichtig ist jedoch, dass die Bauteile der baulichen Anlage, an denen die PV-Module befestigt werden sollen, geeignet sind.
Was bedeutet das? Ganz einfach. Man kann Balkonkraftwerke quasi wie einen Blumenkasten am Balkongeländer anbringen, wenn dieses dafür geeignet und stabil genug ist.
Fazit
Die Bauvorschriften für PV-Module sind vielfältig, aber es gibt klare Regeln, die den Umgang mit ihnen erleichtern. Das DIBt arbeitet aktiv daran, diese Vorschriften weiter zu verbessern. Egal, ob Sie PV-Module auf Ihrem Dach installieren wollen oder Balkonkraftwerke planen, die Einhaltung der Vorschriften ist entscheidend. Sicherheit und Ordnung haben oberste Priorität, damit erneuerbare Energien optimal genutzt werden können. Bleib auf dem Laufenden, damit du die neuesten Entwicklungen in diesem Bereich nicht verpasst!
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und kann keine fachliche, projektbezogene Beratung beim Aufbau von PV-Anlagen ersetzen.